Kubinke
Über das eBook
Georg Hermanns Roman "Kubinke" entwirft ein präzises Bild des kleinbürgerlichen Berlin im wilhelminischen Zeitalter. Im Zentrum steht eine unscheinbare, gesellschaftlich eingeengte Existenz, an der sich die Spannungen zwischen persönlichem Wunsch, materieller Abhängigkeit und bürgerlichen Konventionen exemplarisch zeigen. Hermann verbindet psychologische Beobachtung mit sozialer Milieuschilderung: Alltag, Sprache und Gesten gewinnen erzählerisches Gewicht, während eine feine, bisweilen melancholische Ironie die Selbsttäuschungen seiner Figuren sichtbar macht. Damit steht "Kubinke" in der Tradition des realistischen Gesellschaftsromans und weist zugleich auf die modernere, stärker individualpsychologische Großstadtprosa des frühen 20. Jahrhunderts voraus. Georg Hermann, eigentlich Georg Hermann Borchardt, wurde 1871 in Berlin geboren und entstammte dem deutsch-jüdischen Bürgertum. Seine genaue Kenntnis der Berliner Lebenswelt, seine Beschäftigung mit Kunst und Kulturgeschichte sowie die Erfahrung einer Epoche tiefgreifender sozialer Veränderungen prägten sein literarisches Werk. Wie in seinen anderen Romanen interessiert ihn weniger das außergewöhnliche Ereignis als die stille Dynamik gesellschaftlicher Kräfte, die sich im Leben des Einzelnen auswirken. Hermanns späteres Schicksal als jüdischer Schriftsteller – er wurde 1943 in Auschwitz ermordet – verleiht der Wiederlektüre zusätzlich historisches Gewicht. "Kubinke" empfiehlt sich Lesern, die literarische Stadtgeschichte, differenzierte Figurenzeichnung und sozialkritische Genauigkeit schätzen. Der Roman bietet ein eindringliches Zeugnis der Berliner Moderne und macht sichtbar, wie eng individuelle Lebensentwürfe und gesellschaftliche Ordnung miteinander verbunden sind.
Über den Autor
Georg Hermann (Georg Hermann Borchardt) (1871 – 1943) war ein deutscher Schriftsteller und ein jüdisches Opfer des Holocaust. Er war im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ein vielgelesener Schriftsteller. Sein literarisches Vorbild war Theodor Fontane, was ihm auch die Bezeichnung "jüdischer Fontane" eintrug. Die Romane "Jettchen Gebert" und "Henriette Jacoby", die im Berlin der Jahre 1839/40 spielen und ein Bild des liberalen Geistes dieser Zeit in einer jüdischen Familie zeichnen, waren seinerzeit Bestseller und konnten zusammen mehr als 260 Auflagen aufweisen. Georg Hermann war 1909 Mitgründer und 1910–1913 erster Vorsitzender des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller, dem bald fast alle prominenten Schriftsteller deutscher Sprache beitraten.
Produkt Details
Verlag: e-artnow
Genre: Belletristik & Literatur
Sprache: German
Umfang: 218 Seiten
Größe: 560,2 KB
ISBN: 4066339509085
Veröffentlichung: 12. Mai 2023