Jettchen Gebert + Henriette Jacoby
Über das eBook
Georg Hermanns Romane "Jettchen Gebert" und "Henriette Jacoby" entfalten ein facettenreiches Panorama des jüdischen Berliner Bürgertums im Vormärz und in der Biedermeierzeit. Im Zentrum stehen weibliche Lebensentwürfe, familiäre Verpflichtungen und die Spannung zwischen religiöser Überlieferung, gesellschaftlicher Assimilation und individueller Selbstbestimmung. Die Handlung verbindet Liebes- und Familienkonflikte mit präziser Milieuschilderung; Interieurs, Umgangsformen und soziale Rituale werden ebenso aufmerksam beobachtet wie die psychologischen Regungen der Figuren. Hermanns detailreicher, impressionistisch gefärbter Erzählstil steht in der Tradition des realistischen Gesellschaftsromans und erinnert in seiner kulturhistorischen Anschaulichkeit an Theodor Fontane, entwickelt jedoch eine spezifische Sensibilität für jüdische Identität und weibliche Erfahrung. Georg Hermann, eigentlich Georg Hermann Borchardt (1871–1943), stammte aus dem jüdischen Berliner Bildungs- und Handelsbürgertum. Als Schriftsteller, Publizist und Kunstkritiker kannte er die kulturellen Spannungen der wilhelminischen und frühen modernen Gesellschaft aus eigener Anschauung. Seine Beschäftigung mit Geschichte, Kunst und bürgerlicher Lebenswelt prägte den Wunsch, eine im Verschwinden begriffene soziale Kultur literarisch zu bewahren. Die nationalsozialistische Verfolgung und seine Ermordung im Konzentrationslager Auschwitz verleihen dieser rückblickenden Darstellung zusätzliche historische Eindringlichkeit. Diese Werkausgabe empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die literarische Gesellschaftsanalyse mit kulturgeschichtlicher Erkenntnis verbinden möchten. Sie eröffnet einen differenzierten Zugang zu jüdischem Leben in Berlin und zeigt zugleich, wie private Entscheidungen durch soziale Normen, Herkunft und Geschichte bestimmt werden.
Über den Autor
Georg Hermann (Georg Hermann Borchardt) (1871 – 1943) war ein deutscher Schriftsteller und ein jüdisches Opfer des Holocaust. Er war im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ein vielgelesener Schriftsteller. Sein literarisches Vorbild war Theodor Fontane, was ihm auch die Bezeichnung "jüdischer Fontane" eintrug. Die Romane "Jettchen Gebert" und "Henriette Jacoby", die im Berlin der Jahre 1839/40 spielen und ein Bild des liberalen Geistes dieser Zeit in einer jüdischen Familie zeichnen, waren seinerzeit Bestseller und konnten zusammen mehr als 260 Auflagen aufweisen. Georg Hermann war 1909 Mitgründer und 1910–1913 erster Vorsitzender des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller, dem bald fast alle prominenten Schriftsteller deutscher Sprache beitraten.
Produkt Details
Verlag: e-artnow
Genre: Liebesromane
Sprache: German
Umfang: 574 Seiten
Größe: 859,3 KB
ISBN: 4066339509078
Veröffentlichung: 12. Mai 2023